Samstag, 14. Januar 2012

weitere Abenteuer

Das letzte Monat hielt einige Abenteuer fuer mich bereit.
Mitte Dezember durfte ich meine Mama nach drei Monaten wieder in den Arm nehmen. Es war ein freudiges Wiedersehen und waehrend der Taxifahr zurueck ins Ashram verging keine ruhige Minute. Gab es doch so viel zu erzaehlen und berichten. Daheim staunte ich nicht schlecht, als sie all ihre mitgebrachten Schaetze aus dem Koffer fischte. Darunter Milkaschokolade, Weihnachtsplaetzchen von Oma, Buecher und sogar ein ganzes Nikolosackerl!
Weihnachten feierten wir zusammen mit den anderen Freiwilligen auf unserem ROoftop. Geimsam sassen wir im Kreis auf den ausgebreiteten Decken, erzaehlten Geschichten, assen Parotta und die Weihnachtskekse aus Oesterreich, tranken Whiskey und im Hintergrund liefen "Jingle Bells" und "Leise rieselt der Schnee". Fuer die Kinder hatten wir ein Krippenspiel einstudiert, bei dem wir uns allesamt laecherlich machten; aber es war ein grosser Spass! Als wir dann, in einer nur mit Kerzen beleuchteten Prayerhall vor all den Kindern "Stille Nacht, heilige Nacht" sangen, liefen bei einigen die Traenen. Es war ein sehr nettes und besinnliches Weihnachtsfest.
Schon zwei Tage spaeter machten Mama und ich uns gemeinsam mit dem halben Ashram, mit zwei Bussen, auf den Weg richtung Norden. Nach einer ganzen Nacht Busfahrt, waehrend der laut gesungen, herumgebloedelt und Bollywoodfilme geschaut wurde, trennten wir uns von der grossen Reisegruppe und reisten zu zweit weiter nach Mysore. Der Weg dorthin war lang und erschwerlich: fast 24 Stunden in indischen Bussen, auf indischen Strassen ist kein Zuckerschlecken. Oft bestehen die Strassen mehr aus Schlagloechern als aus Asphalt. Die Busse haben kein Glas in den Fensterrahmen, weshalb man schon nach kuerzester Zeit von oben bis unten eingestaubt ist... Aber Mysore war die Reise wert! Der atemberaubende Maharaja's Palace und der Blumenmarkt machten die anstrengende Anreise wett. Dort lernten wir auch einen Rikschafahrer kennen, dem wir unseren naechsten Aufenthalt zu verdanken haben. Ramesh organisierte uns ein Zimmer im Mudumalai Nationalpark und auch gleich eine Mitfahrgelegenheit dorthin. Nach dieser zweieinhalb stuendigen Fahrt rollten wir langsam auf das Gelaende des "Wild Haven" ein und bevor wir noch aus dem Auto steigen konnten, kam schon ein Inder angelaufen um uns mitzuteilen, dass sie gerade Baeren gesichtet haetten. So kam es, dass wir gleich bei der Ankunft eine Baerin mit ihrem Jungen aus nur 20 Metern Entfernung gesehen haben! Spaeter an diesem Tag konnten wir auch noch Elefanten, Bison und weitere Baeren beobachten.
Am naechsten Tag fuhren wir mit dem "Blue Mountain Train" ueber die Western Ghats. Waehrend der Zugfahrt mit der alten Dampflock sah ich Frauen, die Tee ernteten, Kuehe, die die Reisfelder umackerten und Einheimische die Gewuerze und Gemuese anbauten.
Zu Silvester waren wir dann auf der Insel Fort Cochin. Unser Homestay lag im Zentrum der doch sehr touristischen Stadt. Ein paar Tage lang genossen wir den internationalen Flair, bummelten durch Strassen gesaeumt von Shops, Restaurants und netten Souvenirlaeden - wir liessen uns treiben.
Das alte Jahr liessen wir mit einer aryuveda Massage ausklingen und hiessen das neue mit Raketen, Vodka-Mango, Popcorn und geschaetzten zweitausend Indern am Strand willkommen. So vielen Menschen wie dieses Jahr hab ich noch nie ein "Happy New Year" gewunschen! Den ersten Tag von 2012 haben wir am Strand verbracht. Unter einer Palme liegend, mit Blick aufs Arabische Meer und die darin schwimmenden Delfine.
Von dort ging es fuer Mama und mich dann weiter mit dem Boot durch die Backwaters von Indien. Kleine Kanaele die auch "das Venedig von Indien" genannt werden. Und danach an einen weiteren traumhaften Strand. Und weil uns der Marari Beach mit seinen kilimeterlangen weissen Sandstraenden, den Palmen, den kleinen Fischerdoerfern und dem warmen Wasser so gut gefiehl, blieben wir.
Erst vier Tage spaeter packte uns wieder die Reiselust. So schulterten wir unsere Rucksaecke und fuhren mit dem Zug nach Kanniyakumari. Diese Stadt liegt am suedlichsten Zipfel Indiens. Allein diese Tatsache hat fuer mich etwas magisches an sich.
Am 9. Jaenner, nach drei wundervollen, lustigen, intensiven Wochen, hiess es dann auch schon wieder Abschied nehmen von meiner Mama. Es war nicht einfach sie gehen zu lassen, weiss ich doch, dass noch einige Zeit vergehen wird ehe ich sie wiedersehe.
Doch es blieb mir nicht viel Zeit sie gross zu vermissen, ich war schon wieder voll und ganz mit den Vorbereitungen fuer die anstehende Nordindien Reise beschaeftigt. Da galt es letzte Besorgungen zu machen, langsam aber doch Abschied zu nehmen von den Kindern, dem Ashram, das Reisegepaeck zu organisieren und Zuege zu buchen. Jetzt halte ich alle sieben Zugtickets fuer die naechsten sechs Wochen, und damit die Eintrittskarten fuer weitere Abenteuer in Haenden und freue mich auf das was kommen wird!